Rede zum SPD-Antrag zu neuen Professuren an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften

Hier können Sie meine Rede zum SPD-Antrag zu neuen Professuren an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften vom 11. Juli 2019 lesen.

Sehr geehrter Herr Präsident!/ Frau Präsidentin

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Die Diskussionen im Märzplenum oder auch im Wissenschaftsausschuss haben gezeigt, dass die Arbeit der Hochschulen für angewandte Wissenschaften eine enorme Akzeptanz erfährt. 
 
Nicht zuletzt durch den Bologna-Prozess ist der Anspruch an die wissenschaftliche Ausrichtung rasant gestiegen, weshalb HAWs im Bereich der Forschung mehr bieten und leisten müssen als früher. Der zentrale Auftrag der HAWs - nämlich die Lehre – darf aber nicht vernachlässigt werden. 
 
Immer wieder, jetzt durch den Antrag der SPD, wird die Absenkung des Lehrdeputates von Lehrenden an HAWs und eine Neuausweisung von Professuren gefordert, um die wegfallenden Lehrstunden auszugleichen.
 
Wir sind uns sicherlich einig, meine Damen und Herren, dass die Lehrenden an unseren HAWs gute Rahmenbedingungen brauchen und entlastet werden müssen, um weiterhin so herausragende Arbeit leisten zu können.
 
Aber statt mit Ihrem Antrag Wolkenkuckucksheime zu errichten, täte es gut, wenn sich die SPD als Antragstellerin dann auch mal mit den Realitäten beschäftigen und die Aussagen der Experten aus der gemeinsamen Anhörung beherzigen würde. Wir stehen nämlich vor ganz praktischen Problemen.
 
Da wäre die Frage, wie die geforderten Stellen ad hoc besetzt werden sollen? Viele Fachhochschulen haben schon heute akute Probleme neue Professorinnen und Professoren zu finden. Gerade in Fachbereichen – wie der Ingenieurswissenschaft – die häufig in Konkurrenz zur freien Wirtschaft stehen. 
 
Die wegfallenden Stunden dürfen auch nicht dazu führen, dass letztendlich weniger Studierende an HAWs aufgenommen werden können oder zu Lasten der Lehre umgeschichtet wird. 
 
Und seien sie auch so ehrlich und machen an Ihre Forderungen mal ein Preisschild dran und sagen Sie woher Sie die Mittel nehmen wollen. Oder wollen Sie Finanzmittel zulasten der Universitäten umschichten?
 
Auch von infrastrukturellen Erfordernissen hinsichtlich der Platz- und Raumsituationen und der erforderlichen zusätzlichen Unterfütterung im Mittelbau sprechen Sie nicht.
 
Der Ausgleich durch neue Professuren würde einen Aufwuchs von 50% bedeuten – also eine Verdopplung der bestehenden Stellen. Bei 6 SWS weniger wären wir bei anfallenden Kosten über alles von mehr als 500 Millionen Euro - pro Jahr. Auch das haben uns die Experten vorgerechnet.
 
Bereits jetzt, meine Damen und Herren, können Fachhochschulen zum Beispiel im Rahmen der 4%-Regelung oder durch dienstrechtliche Ermäßigungen steuernd eingreifen und Deputate reduzieren. Hiervon wird auch Gebrach gemacht und sogar vielfach gar nicht ausgereizt. 
 
In der gemeinsamen Anhörung wurde deutlich, dass eine Reduzierung der Deputate - ohne gleichzeitige Stärkung des Mittelbaus - keinen Sinn macht.
Anstatt neue Professuren zu schaffen, für die Kandidaten mit mehrjähriger Praxis benötigt werden, sollten wir den Mittelbau im Blick behalten.   
 
 
Durch die Initiative der CDU und FDP Promotionen an HAW zu erleichtern, werden zukünftig mehr Promovierende in der Lehre eingesetzt werden können – davon profitieren dann sowohl Lehrende als auch Studierende. 
Die benötigte Änderung im Hochschulgesetz haben wir bereits konkret mit unserem Änderungsantrag umgesetzt.
 
Wir müssen Wege finden Professuren attraktiver zu gestalten. In NRW gibt es auch bereits gute Beispiele wie das gelingen kann. 
 
Die FH Münster hat Nachwuchsprofessuren aufgestellt, die einen entsprechenden Titel haben, lehren dürfen, aber gleichzeitig bei kooperierenden Unternehmen Praxiserfahrung sammeln. Darunter fallen auch Nachwuchsprofessuren mit tenure track – die einen direkte Wechsel in die Professur nach Beendigung der Qualifizierung vorsehen.
 
Oder vielleicht fangen wir zunächst mal damit an, Professuren durch Umschichtung der Zuständigkeiten zu entlasten von Aufgaben der Selbstverwaltung, Bürokratie oder Drittmittelverwaltung.
 
Ihr Antrag vernachlässigt die Vielsichtigkeit der Herausforderungen und die Ehrlichkeit in finanzieller und zeitlicher Hinsicht. 
 
Mit der anstehenden Novellierung des Hochschulgesetzes und dem gerade erst beschlossenen Zukunftsvertrag für Forschung und Lehre legen wir die Grundlagen um die Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern. 
 
Darüber hinaus stehen die HAWs in einem konstruktiven Austausch mit Politik und Ministerium, sodass wir plakatives Argumentieren über Anträge wie Ihren nicht benötigen. 
 
Wir lehnen Ihren Antrag daher ab.
 
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

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